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Grundsätze unserer Arbeit

 

In einer stark von Vielfalt und Individualitätsstreben geprägten Gesellschaft ist das Gelingen von schulischem Zusammenleben das Ergebnis gemeinsamer Bemühungen. Vorhandene Regeln und Normen haben dabei die Funktion, Werte zu schützen und Orientierung für alltägliches Handeln zu geben. Sie gehören in Kombination mit der Verantwortung eines jeden Einzelnen sowie den maßgeblichen Grundwerten zu den wichtigen Eckpunkten, um die Haltung und das Verhalten zu beschreiben.

 

 

Dazu gehören folgende Grundlagen:

Das Teilen gemeinsamer Werte und Grundüberzeugungen, d.h. konkret: die Akzeptanz und der Schutz demokratischer Grundwerte, das Teilen eines humanistischen Menschenbildes, das Bekenntnis (eines jeden) zur Vielfalt.

Die Beachtung geltender Gesetze und Regelungen, d.h. konkret: die Bezugnahme auf Menschenrechte, das Grundgesetz, das Schulgesetz und ergänzende Verordnungen sowie die Schul- und Hausordnung.

Die Bereitschaft zur aktiven Übernahme von Verantwortung für sich und die Gemeinschaft. Dazu gehört konkret: das eigene Handeln und Auftreten vorurteilsbewusst zu reflektieren, sich mit seinen eigenen kulturellen und religiösen Prägungen auseinanderzusetzen sowie Wert- und Normvorstellungen im alltäglichen Handeln mit Leben zu füllen und so zu Toleranz, Wertschätzung, Respekt und Rücksichtnahme zu gelangen.

 

 

Unsere Positionen und ihre gesellschaftliche Anbindung

 

Globalisierungs-, Individualisierungs- und Radikalisierungsprozesse wirken in die Schulen hinein. Die Schule ist ein zentraler Ort für das Einüben verantwortungsvollen gesellschaftlichen Handelns, sie reagiert also auch auf den Wandel der Gesellschaft. Daher ist eine ständige konstruktive Auseinandersetzung in dem Feld „Toleranz, aber nicht Gleichgültigkeit“ und „Positionierung, aber nicht Überregulation“ in der Schule erforderlich.

 

Die Anna-Warburg-Schule ist eine Berufliche Schule für Sozialpädagogik. Damit fasst sie Bildungsgänge unter einem Dach zusammen, die darauf zielen, sich selbst im eigenen Auftreten und Verhalten zu reflektieren und Vorgänge des menschlichen Miteinanders zum Thema zu machen. Das pädagogische Wirken als Vorbild wie auch die Auseinandersetzung mit den eigenen Wert- und Normvorstellungen sind in diesem Kontext immer wieder wichtige Gesichtspunkte für alle am Lernprozess Beteiligten.

 

Für jedes pädagogische Arbeitsfeld ist es wichtig, sich sowohl mit den persönlichen, als auch den demokratisch vorgegebenen Werten auseinanderzusetzen, denn in jedem pädagogischen Kontext kann es zu Kontakten kommen, in denen wir gefordert sind, ins Gespräch zu gehen und uns zu positionieren sowie in Konflikten standhalten zu müssen. Da wir an unserer Schule auch direkt für die pädagogische Praxis ausbilden, betrifft diese Notwendigkeit Lehrer/innen und Schüler/innen. Die personalen, fachlichen und sozialen Kompetenzen fügen sich so zu einer professionellen Haltung, die von demokratischen und humanistischen Werten wie Toleranz, Gewaltfreiheit, Gleichberechtigung, Gewissensfreiheit, Partizipation, Pluralität und Ressourcenorientierung geprägt ist.

Im Rückbezug auf diese Grundüberzeugungen sollte diese Auseinandersetzung mit dem Ziel gegenseitiger Verständigung und im Sinne des sozialen Friedens geschehen.

Um deutlich zu machen, welche Orientierungspunkte wir in diesem Zusammenhang für wichtig erachten, ist das vorliegende Papier entstanden, das ebenfalls durch Ergebnisse aus weiteren Diskussionsprozessen erweitert und verändert werden kann.

 

Das vorliegende Positionspapier orientiert sich an unseren Grundwerten, die ihren Ausdruck in unserer demokratischen Verfassung finden. Daraus leiten wir die für unser Schulleben wichtigen Grundsätze ab, die von der Grundidee getragen sind, dass wir für diese Grundwerte jederzeit eintreten. Dabei ist es mit einfachen Hinweisen auf vorhandene Regeln meist nicht getan und Konfliktsituationen machen es erforderlich, persönlich Stellung zu beziehen. Ein vertieftes Nachdenken über die eigene Verantwortlichkeit, persönliche Haltungen und gemeinsame Rahmenbedingungen erhöht die eigene Glaubwürdigkeit anderen gegenüber und damit die Fähigkeit zu überzeugen.

 


 

I Für Toleranz, Inklusion und aktive Selbstreflexion

Grundgesetz, Artikel 1: (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen, ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Grundgesetz, Artikel 3: (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

 

Wir fordern zu einer aktiven Auseinandersetzung mit der eigenen Vorbildfunktion auf, dies gilt im Besonderen für den Kontakt mit der pädagogischen Praxis. Wir appellieren an ein geeignetes Rollenbewusstsein.

 

II Ein friedlicher und respektvoller Umgang aller mit (religiöser) Diversität

Grundgesetz, Artikel 2: (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt. […]

Grundgesetz, Artikel 4: Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

Die Behörde für Arbeit, Soziales und Integration gibt über das Landesinstitut für Lehrerbildung (Li) in seiner Information „Interkulturelles“ (3. aktualisierte Auflage 2013, S.11f.) folgende Vorgaben heraus:

Es gibt keinen Rechtsanspruch [wenn auch stellenweise gewährte Kulanz] von einzelnen Schülerinnen oder Schülern bzw. Schülergruppen auf besondere Vorkehrungen (Unterrichtsbefreiungen, Zugang zu Räumen) zum Gebet. […] Ander-erseits gebietet es die (positive) Bekenntnisfreiheit, dass den entsprechenden Schülerinnen und Schülern in der unterrichtsfreien Zeit die räumliche Möglichkeit für ein Gebet gegeben wird. […] In der Schule ist besondere religiöse Bekleidung zunächst einmal anzuerkennen, zu respektieren und im Kollegium sowie gegenüber Mitschülerinnen und Mitschülern zu vermitteln. Es gibt allerdings auch Grenzen, die gemeinsam ausgehandelt werden sollten. […] Eine Verhüllung des ganzen Körpers einschließlich des Gesichts ([z.B.] Burka) ist mit dem Unterricht an einer staatlichen Schule nicht vereinbar.

 

Wir erwarten einen friedlichen Umgang miteinander, der von gegenseitigem Respekt und dem Akzeptieren der Privatsphäre geprägt ist. Wir streben den Austausch über Glaubensfragen und weltanschauliche Ansichten an, lehnen aber Indoktrination entschieden ab. Wir möchten die individuelle Freiheit in Glaubens- und Nichtglaubensfragen im Schulleben schützen. Wir verlangen, dass gegenseitige Abwertungen oder Maßregelungen unter Schülern und Schülerinnen unterlassen werden. Wir erwarten einen grundsätzlich wertschätzenden Umgang miteinander, der über das Schulgelände hinaus gilt, also z.B. auch für digitale soziale Netzwerke.

 

III Gleichberechtigung der Geschlechter

Grundgesetz, Artikel 3: (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

Im Sozialgesetzbuch VIII heißt es im § 2, Abs. 2.2 weiter: „Die Erziehung und Bildung soll […] darauf gerichtet sein, das Kind auf ein verantwortungsbewusstes Leben in einer freien Gesellschaft, im Geist der Verständigung, des Friedens, der Toleranz, der Gleichberechtigung der Geschlechter und ethnischer, nationaler, religiöser und sozialer Gruppen vorzubereiten.“

 

Unsere Aufgabe ist es, im erzieherischen Kontext aktiv auf die Verwirklichung dieses Grundrechts hinzuwirken.

 

IV Die Praxistauglichkeit in den Blick nehmen

In den vom Hamburger Sportamt am 1.7.2008 bekannt gegebenen Grundsätzen zur Sicherheit im Schulsport heißt es unter Punkt 3:

„Die Lehrkraft oder die verantwortliche Person ist verpflichtet, – darauf zu achten, dass sie/er selbst und die Schülerinnen und Schüler sportgerechte Kleidung tragen und dass alle Gegenstände abgelegt werden, die Verletzungen hervorrufen können […]“ Dieser Grundsatz ist aus unserer Sicht nicht nur auf das Fach Sport zu beziehen, sondern gleichermaßen sowohl auf die Praxissituation als auch andere Fächer wie z.B. „Spiel und Bewegung“ ebenfalls anzuwenden, da es dort zu Situationen kommt, die im Schulsport ebenfalls vorkommen.

 

Diese Vorgaben sind für viele Situationen gültig, sowohl in der Schule als auch in der Praxis (draußen, drinnen, Wetterbedingungen, Schwimmbad, Spielplatz, Wickeltisch, Instrumentalspiel,…), die verschiedenen Raumebenen (Fußboden, Sitzgelegenheiten, Klettern) und auch im Hinblick auf Bewegungsvielfalt und Schnel-ligkeit (Rennen, Hüpfen, auf dem Fußboden sitzen, eine Trommel halten…).

 

Traditionen aufgreifen und Anforderungen reflektieren (Appell an die Praxisstellen):

 

Aus den HHBE überarbeitete Auflage 2012 (S.21):

„Alle Kindertageseinrichtungen haben die Aufgabe, grundsätzliche ethische Fragen sowie religiöse und andere Weltanschauungen als Teil der Lebenswelt aufzugreifen und verständlich zu machen. […dies] führt zur Beschäftigung mit Inhalten und Traditionen […]. Hierzu gehört auch, dass die Kinder religiös verwurzelte Feste im Jahresablauf erleben.

 

Wir erwarten von den kooperierenden/ausbildenden Praxisstellen, dass unsere Schüler*innen dort im Hinblick auf die pädagogische Praxis ebenfalls Impulse zur Akzeptanz von Vielfalt wie auch Wertschätzung für vorhandene Traditionen im Hinblick auf Werte, Feste und Bildungswissen bekommen. Dazu zählt ein konstruktiver Umgang mit Multikulturalität wie auch die Vermittlung tradierter Feste. Wir möchten unsere kooperierenden/ ausbildenden Praxisstellen dazu ermutigen, ebenfalls die für sie gültigen Grundsätze zu formulieren und so Reflexion und Diskussion zu ermöglichen.